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Beim Schlafsackkauf kommt es darauf an, das richtige Modell für den jeweiligen Bedarf zu finden. Der Einsatzbereich und –zweck  stellt  unterschiedliche Anforderungen an die Füllung, das Gewicht, Packmaß und nicht zuletzt den Komforttemperaturbereich des Schlafsackes. Eine einfache Relation erklärt die Preise: je geringer Packmaß & Gewicht bei hoher Wärmeleistung ist, um so teurer ist der Schlafsack.

Die Füllung

Zwei verschiedene Materialien werden bei Schlafsäcken verwendet: Daune und Kunstfaser. Ihre unterschiedlichen Eigenschaften bestimmen ihren Einsatz.

Daune ist (im allgemeinen) die leichtere und besser komprimierbare Füllung. Sie wirkt Feuchtigkeitsregulierend, d.h. sie kann einen Teil des Schweißes speichern und dann nach außen abgeben. Daune ist auch langlebiger in der Wärmeleistung  Daune sollte aber, und dies ist ihr Hauptnachteil, während einer Tour nicht nass werden. Sie wärmt dann nicht mehr & braucht lange, um zu trocknen. Manchmal werden Daunen wasserabweisend ausgerüstet, um die Nässeempfindlichkeit etwas zu mindern.

Die Daunenqualität hängt von Alter und Ursprungsregion der Tiere ab (älter & kälter desto besser), Gänsedaune gilt als die bessere, da sie aufgrund ihrer feineren Verästelungen bei gleichem Gewicht mehr Wärme speichert als Entendaune.

Des weiteren ist die Füllqualität von Bedeutung, das Verhältnis von Daune zu Federn (diese müssen drin sein, um der Füllung Stabilität zu verleihen). Der Bereich geht bei unseren Schlafsäcken von 70/30 Daune/Federn bis zu 93/7).

Ein weiteres Qualitätskriterium ist die Bauschkraft (neudeutsch: fillpower) der Daune. Um diese zu bestimmen, wird eine Unze Daune 24 Stunden mit einem Gewicht belastet. Nachdem dieses entfernt wurde, dehnt sich die Daune wieder zu einem in Kubikzoll (cuin) gemessenen Volumen aus. Je höher dieser Wert ist, desto besser ist die Qualität der verwendeten Daune. Eine ordentliche Qualität beginnt ab  500 cuin, Spitzenschlafsäcke kommen auf Werte von mehr als 750 cuin.

Kunstfaserfüllungen haben hauptsächlich den Vorteil des niedrigeren Preises und der Unempfindlichkeit gegen Nässe. Da die Kunstfaser kaum Feuchtigkeit speichert, muss sie  jeglichen Schweiß nach Außen transportieren. Dies geht halt nicht so gut, das Schlafklima in einem KF-Schlafsack ist also deutlich anders als in einem Daunenschlafsack.

Die Füllung besteht meistens aus einer Mischung von (Mehrloch-)Hohlfasern (zu Wärmespeicherung) und Spiralfasern (für die Bauschkraft). (Ausnahme ist Polarguard, eine gekräuselte Endloshohlfaser.) Die Fasern werden häufig silikonisiert, damit sie geschmeidig bleiben und nicht miteinander verhaken. 

Verbreitet sind zwei Verarbeitungsweisen: Schindeln, hier liegen einzelne Faserplatten wie Dachziegel übereinander oder über die ganze Fläche sind eine oder zwei Lagen Füllungvlies gezogen. Die Füllmengen geben entweder das Füllungsgewicht oder das Quadratmetergewicht des Füllmaterials an.

 

Die Form

Unsere meisten Schlafsäcke haben eine Mumienform, d.h. sind unten schmaler als an den Schultern. Dies hat Vorteile bei der Wärmeleistung da kein großer Fußraum vorhanden ist, der aufgewärmt werden muss (und an den Füßen/Unterschenkeln gibt der Mensch nun mal wenig Wärme ab) und damit auch bei Packmaß und Gewicht. Deckenschlafsäcke bieten demgegenüber mehr Platz, sind aber schwerer und größer im Packmaß. Es gibt keine Deckenschlafsäcke, die bei tiefen Minusgraden noch ausreichend wärmen. Ihr Einsatzbereich liegt eher im Sommer- und Autourlaub. Ein Zwischending sind eiförmige Schlafsäcke, die bei verhältnismäßig geringem Gewicht & Packmaß noch ein deutliches Mehr an Komfort (= Bewegungsfreiheit) bieten.

 

Die Temperatur

Je nach Einsatzzweck muss ein Schlafsack unterschiedlichen Temperaturansprüchen genügen. Hierzu geben die Hersteller sogenannte Komforttemperaturangaben, die die Leistungsfähigkeit des Schlafsackes für einen bestimmten Bereich nennen.
Aber Vorsicht: diese Angaben beziehen sich im Allgemeinen auf den normal bis wenig kälteempfindlichen Mann, der ausgeruht & satt, mit langer Unterwäsche im Schlafsack, auf der Isomatte in seinem Zelt liegt. Bei der angegebenen (Außen) Temperatur ist ihm ein erholsamer (komfortabler) Schlaf möglich. Massive Unterschiede im Kälteempfinden hängen oft auch davon ab, was man unterwegs macht und wie es einem geht (Wanderungen im Kalten/Nassen; Müdigkeit; eventuelle Krankheit, etc.). Entsprechend müssen kälteempfindlichere Personen eventuell einen wärmeren Schlafsack wählen. Das gleiche gilt für den Einsatz ohne Zelt.

Seit ein paar Jahren gibt es eine EU Norm zur Komforttemperatur, damit von Finnland bis Malta die gleichen Angaben gemacht werden können. Diese differenziert zwischen Angaben für Männer und Frauen (was manche Anbieter schon seit längerem tun) und liegt teilweise deutlich über den bisherigen Angaben der Hersteller. Einen ausführlichen Text zu Temperaturbereichen bei Schlafsäcken findet sich bei Mammut/Ajungilak.

Die Extremtemperaturangaben sind normalerweise ohne Bedeutung, bei ihnen ist kein ruhiger Schlaf mehr möglich, der Schlafsack schützt lediglich vor dem Erfrierungstod.

Die Materialien

Für das Innenmaterial kommen meist Kunstfasern zum Einsatz. Baumwolle ist schwerer, speichert Nässe und man kann sich auch nicht so gut darauf drehen. Die Außenhülle besteht immer aus Kunstfasern. Unterschiede liegen hier in darin, wie weit das Material Wind- und Wasserabweisend bis –dicht ist und in der Reißfestigkeit.

 

Zum Abschluss die Temperaturdefinitionen der Europäischen Schlafsacknorm EN 13537:2002

"Komforttemperatur: Untere Grenze des Komforttemperaturbereichs, bis zu der sich ein Benutzer eines Schlafsackes in entspannter Körperhaltung, z.B. auf dem Rücken liegend, mit seinem gesamten Körper im thermischen Gleichgewicht befindet und gerade noch nicht friert (bezogen auf eine Standard-Frau unter genormten Einsatzbedingungen).

Grenztemperatur: Untere Temperaturgrenze, bei der sich ein Benutzer eines Schlafsacks in zusammengerollter Körperhaltung mit seinem gesamten Körper im thermischen Gleichgewicht befindet und gerade noch nicht friert (bezogen auf einen Standard-Mann unter genormten Einsatzbedingungen).

Extremtemperatur: Unterer Extremwert der Temperatur, bei dem das Risiko von Gesundheitsschäden durch Hypothermie (Unterkühlung) besteht (bezogen auf eine Standard-Frau unter genormten Einsatzbedingungen).

Anmerkung: Die Unterschreitung der Extremtemperatur stellt eine Gefährdung mit möglicher Todesfolge dar.

Höchstemperatur: Obere Grenze des Komfortemperaturbereichs, bis zu der ein teilweise unbedeckter Benutzer eines Schlafsackes (Standard-Mann) gerade noch nicht zu sehr schwitzt."

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Stand: 1. Juni  2009