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Wasserfilter oder Entkeimungsmittel? Wer nur „verdächtiges“
Wasser in Hotels oder Dorfbrunnen trinkbar machen will, braucht etwas
anderes, als derjenige, der auf einer Tour jedwedes Wasser trinken muss.
Gutes Trinkwasser
ist mit das wichtigste auf Reisen. Viele Krankheiten werden durch
eine unzureichende Trinkwasserqualität hervorgerufen. Das reicht von
harmlosem Durchfall bis hin zu einer ausgewachsenen Amöbenruhr, Typhus,
Cholera und ähnlichem.
Infizieren kann man sich außer an verschmutztem
Wasser auch durch Salate, Speiseeis u.a.. Daher sei hier zum x-ten Mal die
alte Regel wiederholt: cook it, peel it or forget it!
Wer darauf angewiesen ist, sich in der freien Natur
Wasser zu besorgen, sollte ein paar Dinge beachten: schnellfließendes,
kaltes Wasser abseits von Dörfern und Städten ist in der Regel
unbedenklich. Kritisch wird es bei stehenden Gewässern, insbesondere wenn
der Boden dunkel ist, sich unter Steinen z.B. schwarze, mulchige
Ablagerungen finden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Trinkwasser
unterwegs aufzubereiten, doch zuerst einmal: vor was Schützen wir uns
eigentlich? Im Wesentlichen lassen sich drei Gruppen von Verunreinigungen
unterscheiden: Organismen, Chemikalien und Schwebstoffe.
Im Wasser kommen folgende vier Organismus-Guppen in
abnehmender Häufigkeit vor, die Krankheiten auslösen: Mehrzeller,
Einzeller, Bakterien und Viren.
Ein- und Mehrzeller sind z.B. Amöben, Wurmeier- und
larven, Hakenwürmer, Giardia. Diese können ganz natürlich in klaren Bächen
und Gewässern vorkommen. Giardia z.B. häufig dort, wo Biber und
Bisamratten leben.
Bakterien stellen ebenfalls ein großes Gefährdungspotential
dar. Sie kommen jedoch in erster Linie nur durch Abwässereinleitung in Flüsse
und Seen, sind in unbewohnten Gebieten eher selten. Außerdem brauchen sie
zur Vermehrung relativ warmes Wasser.
Viren sind die kleinsten Mikroorganismen und werden
von Filtern nicht entfernt. Allerdings brauchen sie zur Existenz einen
Wirt, vermehren sich im Wasser daher nicht. Auch wird der Wirt vom Filter
zurückgehalten. In der Praxis sind sie deswegen von geringer Bedeutung.
Chemikalien kommen fast ausschließlich durch den
Menschen in Gewässer. Pestizide, Nitrate oder auch giftige
Halogenverbindungen findet man überwiegend in Gegenden mit intensiver
landwirtschaftlicher Nutzung.
Schwebstoffe sind schlichtweg Dreck organischen
(Algen, Pflanzen- und Tierreste)
oder anorganischen (Sand) Ursprungs.
Um verschmutztes Wasser trinkbar zu machen, gibt es
im großen und ganzen nur drei Methoden: Abkochen, chemisch Behandeln oder
Filtern.

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Abkochen entfernt weder Schwebstoffe noch die
meisten Chemikalien. Ein- und Mehrzeller,
Bakterien und Viren werden zuverlässig abgetötet. Das Wasser
sollte hierzu mindestens 10 Minuten sprudelnd kochen, der Energieverbrauch
ist also sehr groß. In großen Höhen sinkt der Siedepunkt von Wasser (90
Grad auf 3000 M Höhe), im Hochgebirge werden Bakterien (< 80 Grad)
also nicht unbedingt unschädlich gemacht. Auch überstehen einige
Einzeller relativ hohe Temperaturen.
Bei der chemischen Behandlung kommen
eigentlich nur zwei Methoden zum Tragen: die Beigabe von Chlor oder
von Silberionen (Jod zur Desinfektion ist verboten und ziemlich
ungesund). Chlor tötet durch die Zerstörung der Zellfunktion zuverlässig
Bakterien und Viren ab. Die Einwirkzeit beträgt je nach Dosierung
(Herstellerangaben beachten) 15 bis 60 Minuten. Den Chlorgeschmack kann man
anschließend wieder mit Antichlor entfernen (durch die Zugabe von
Natriumthiosulfat entstehen Kochsalz
und Natriumsulfat; Antichlor empfiehlt sich übrigens auch für Länder,
die das Trinkwasser stark chloren!). Die Zugabe von Chlor macht das Wasser
keimfrei, schützt aber nicht vor Wiederverkeimung! Hierzu dienen
Silberionenpräparate.
Diese unterbinden die Vermehrung von Keimen, in höherer
Dosierung töten sie diese auch ab (einen einheitlichen
Wirkungsmechanismus scheint es aber nicht zu geben, ist aber durch einige
Laboruntersuchungen nachgewiesen). Die Einwirkzeit liegt bei etwa zwei
Stunden, bei kaltem Wasser sollte man mindestens drei bis vier Stunden
warten. Silberionenpräparate sind der EU nicht zur Desinfektion
von Trinkwasser zugelassen, sondern ausschließlich zur Konservierung.
Kombinationspräparate (Certisil Combina oder
Micropur Forte) entkeimen und konservieren. Für alle chemischen
Aufbereitungspräparate gilt aber, dass sie nur in klarem Wasser
funktionieren. Trübes Wasser muss deshalb vorher gefiltert werden. Auch
werden Ein- und Mehrzeller u.U. nicht vollständig abgetötet.
Am sichersten ist die Aufbereitung zweifelhaften
Wassers durch Filtern. Hierbei wird das Wasser durch extrem kleine Löcher
gedrückt, die, je nach Filtertyp, alles was größer ist als etwa 0,2
Mikron (0,0002 mm) nicht durchlassen. Als Filtermedium dienen verschiedene
Materialien mit jeweils unterschiedlichen Eigenschaften.
Keramikfilter
halten sicher Krankheitserreger und Protozoen zurück, filtern aber keine
chemischen Verunreinigungen aus dem Wasser; hierzu dienen Aktivkohlefilter.
Die Verunreinigungen setzen sich außen am Filter ab
und müssen regelmäßig abgebürstet werden. Hierbei wird die
Keramikkerze dünner und muss irgendwann ersetzt werden. MSR gibt für
ihre Filter max. Leistungen von 200 bis 400 Litern an, bei Wasser, in das
man weniger als 2,5 cm tief reingucken kann. Die Keramikkerze von
MSR verträgt ca. 40 Reinigungen.
Katadyn
gibt Leistungen von 7000 bis 50 000 Litern an, hier aber auf relativ
klares Wasser bezogen. Bei sehr schmutzigem Wasser ist die Filterleistung
deutlich geringer.
Obwohl es keine exakt vergleichbaren Angaben zur
Literleistung gibt, kann man davon ausgehen, dass MSR Filter eine etwa 20%
geringere Durchlaufmenge haben als Katadynfilter; dafür haben sie aber
auch eine größere Absorbtionleistung, da sie durch die integrierte
Aktivkohle auch Chemie & schlechten Geschmack aus dem Wasser filtern.
Beim Kombifilter von Katadyn läst sich Aktivkohle bei Bedarf in einen
separaten Behälter füllen.
Chemische Verunreinigungen, Geruchs- und
Geschmacksstoffe werden durch
Aktivkohle aus dem Wasser entfernt. Die Filterleistung
liegt deutlich unter der eines Keramikfilters; Bakterien, Zysten
und Schwebstoffe werden nicht oder nur bedingt rausgefiltert. Auch ist bei
Aktivkohle die Verkeimungsgefahr des Filters größer.
Um
die Verkeimungsgefahr zu mindern, setzt Katadyn seinen (Keramik)Filterkerzen
Silberionen zu, die ein Durchwachsen der Kerze mit Keimen verhindern. MSR
empfiehlt, bei längeren Touren die Kerze des MiniWorks einmal pro
Woche auszukochen, beim Waterworks II verhindert die nachgeschaltete
Membran, dass Keime ins Trinkwasser gelangen.
Ein weiterer Filtertyp (Katadyn
Hiker) benutzt eine Kunstfasermatrix
und zusätzlich Aktivkohle, um Verunreinigungen aus dem Wasser zu holen.
Der Vorteil gegenüber Keramikkerzen ist die geringere Schadensanfälligkeit
bei Stößen und bei Frost. Dafür bietet dieser Filter keinen Schutz vor
Verkeimung und ist in seiner Durchlaufleistung auch recht schwach.
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